Mittelalterfest Aggstein - Nachlese

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Mittelalterfest Aggstein - Nachlese

Beitragvon Anacharsis » 19.04.2017 10:47

Heuer hatte ich mir vorgenommen, am Mittelalterfest auf der Burgruine Aggstein aktiv als Handwerker teilzunehmen und meldete mich dafür an.
Bereits eine Woche vorher verhieß der Wetterbericht nichts Gutes und er sollte schließlich recht behalten. Alle drei Osterfeiertage waren kalt, windig und brachten besonders am Ostermontag häufige Regenschauer, am Abend des letzten Tages sogar Starkregen.

In den Schönwetterphasen gab es lebhaften Besucherandrang, zumindest die Freßmeile war gut bestückt & besucht. Der Markt war gut sortiert: Gewandung, Pelze, Ledersachen, Schmuckartikel etc. waren reichlich vorhanden. Daneben gab es noch Aktivitäten für Kinder. Das Burgmanagement war sehr dahinter, dass alle aktiv Beteiligten ihren Standort so authentisch wie möglich gestalteten und auch A-gewandet erschienen, doch der Tamtam rund um das Ei des Phönix sorgte schließlich doch für den Kitschfaktor.

Die Besucher kamen sicher auf ihre Kosten, auch ich selber machte in den besucherlosen Regenphasen den einen oder anderen kurzen Rundgang zwecks Aufstockung meiner eigenen Gewandung. Das war auch dringend nötig, denn alle Akteure froren erbärmlich in ihren durchnässten Klamotten. Schliesslich mussten sie vereinbarungsgemäß täglich bis 19 Uhr, also bis zum Einbruch der Dunkelheit auf ihren Standplätzen ausharren.

Hier möchte ich auch etwas Kritik anbringen:
Am Abend des 2. Tages fiel aus unerfindlichen Gründen der Shuttledienst aus, etliche Besucher mussten sich zu Fuß bei Regen und einbrechender Dunkelheit auf den mehrere Kilometer langen Abstieg mit 300m Höhenunterschied machen.
Gnadenhalber nahm ich auf der Fahrt in mein Quartier noch einige fußmarode Mädels bis zum unteren Parkplatz mit. Sie waren ohnehin schon völlig durchnässt.

Am letzten Tag regnete es bereits ab 17 Uhr, der Regen steigerte sich zum Starkregen und die Besucher wurden naturgemäß immer weniger. Ab 18 Uhr irrten nur noch einige wenige Besucher mit verdrießlichen Mienen durch den Regen und vertrieben sich die Wartezeit auf den Shuttlebus, indem sie ohne Kaufabsicht noch von einem Stand zum anderen eilten, immer auf der Suche nach einem regendichten Zeltvordach. Da von Seiten der Veranstaltung jedoch kein Kunststoffzelt erlaubt war, tropfte der Regen inzwischen überall durch.

Als einige Standler ihren Wagen holten, um etwas früher mit dem Abbau zu beginnen, stürmte sogleich ein Ordnungshüter der Burgruine heran und bestand auf das Ausharren bis 19 Uhr. Das war aber völlig sinnlos, denn die letzten 5-7 Besucher hatten ohnehin kein Interesse mehr am Markt.
So wurde von Seiten der Veranstalter verhindert, dass sich der Platz allmählich leerte. Dafür brach dann um Punkt 19 Uhr die totale Hektik aus. Jeder Standler wollte so rasch wie möglich noch vor Einbruch der Finsternis seine Sachen einräumen und abtransportiern. Man kann sich lebhaft vorstellen, was sich da auf engsten Raum abspielte: die Sicht war bereits schlecht, beim Rangieren inmitten des Getümmels kam es zu Blechschäden, Zeltstangen wurden angefahren und so manche ausgestellten Waren fielen in den Dreck.

Das alles wäre nicht passiert, wenn man die Öffnungszeit nicht bis 19 Uhr ausgedehnt hätte. Denn wer will & kann schon seine Sachen bei völliger Dunkelheit abbauen und im Wagen verstauen? Die Logistik der Veranstalter war nicht nachvollziehbar. Ich komme zum einzig logischen Schluss - dass es nämlich dem Management völlig egal ist, unter welch schwierigen Bedingungen die aktiv Beteiligten ihre logistische Arbeit bewältigen müssen.

Fazit: für die Besucher sicher ein tolles Ereignis, für die Beteiligten eine Katastrophe. Ich selber beteilige mich ja eh nur aus Hetz und Gaudi an Mittelalterfesten, habe nichts verkauft und bin auch nicht auf Verkauf angewiesen. Dennoch war ich sehr sauer, dass meine authentisch hergestellten Kompositbögen infolge des unnötig strengen Reglements durchnässt wurden.
Für's Wetter können die Veranstalter nichts, aber den Beteiligten den Abtransport durch flexiblere Regeln entgegenzukommen hätte in diesem Fall wirklich Sinn gemacht.
Dafür gibt es ein fettes Minus!

Mehrere Fotoserien gibt es auf http://www.taterman.at/die-legende-des-phoenix/ zu sehen.
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Re: Mittelalterfest Aggstein - Nachlese

Beitragvon rimbold » 19.04.2017 13:09

Auweh, das klingt ja wieder mal nach einen Geldgeilen veranstalter...schade, dass die Qualität in AT immer mehr nachlässt...es wird immer mehr zum rummel platz.
Ich glaub auch einer der Gründe warum ich dieses jahr mal eine pause einlege
Das Lied des irren Geigers ist noch lange nicht vorbei
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Re: Mittelalterfest Aggstein - Nachlese

Beitragvon Petrissa » 24.04.2017 07:47

Lieber Anacharsis!

Herzlichen Dank für Deinen Bericht, ich finde es auch sehr schade, dass manche Veranstalter so geldgierig sind. Bei so einem Wetter würde ich auch als Besucher NICHT bleiben wollen und hätte absolutes Verständnis dafür, wenn die Aussteller auch abbrechen würden.
Sicher die Besucher kommen ja nur wegen der Gaude, viele machen sich aber null Gedanken dazu was es heißt, bei so einem Wetter aus zu harren.
Und ehrlich gesagt, bin ich von einigen Veranstaltern einfach nur enttäuscht, denn wie Rimbold schon sagte, die Qualität nimmt ab und es wird mehr und mehr zum Rummelplatz.
So schade darum :(
Alles Liebe
Eure
Petrissa

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